Warum manche Welpen länger nach einem Zuhause suchen
In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht gelegentlich der Eindruck, ein Welpe, der länger beim Züchter bleibt, sei „übrig geblieben“ oder es müsse einen besonderen Grund geben, warum er noch kein Zuhause gefunden hat.
Diese Annahme ist fachlich nicht korrekt und greift zu kurz.
In einem verantwortungsvoll begleiteten Wurf gibt es keine übrig gebliebenen Welpen.
Es gibt lediglich unterschiedliche Entwicklungsverläufe, Persönlichkeiten und Vermittlungsprozesse.
Individuelle Entwicklung statt Gleichschritt
Welpen entwickeln sich nicht synchron. Schon früh zeigen sich Unterschiede in:
- Temperament
- Reizverarbeitung
- Aktivitätsniveau
- Bindungsstil
- sozialer Offenheit
Während einige Welpen sehr präsent, fordernd und offen auftreten, sind andere zunächst beobachtend, ruhiger oder sensibler. Diese Eigenschaften stellen keine Bewertung dar, sondern spiegeln individuelle Persönlichkeiten wider, die jeweils zu unterschiedlichen Lebensmodellen passen.
Vermittlung ist ein Prozess – keine Reihenfolge
Die Auswahl eines passenden Zuhauses erfolgt bei uns nicht nach Eingang der Anfrage, sondern nach Eignung und Passung.
Das bedeutet, dass ein Welpe auch dann länger bei uns bleiben kann, wenn es bereits Interessenten gab – etwa dann, wenn sich im Verlauf zeigt, dass die Voraussetzungen doch nicht stimmig sind.
Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist, dass Reservierungen nicht immer zu einer tatsächlichen Übernahme führen.
Wenn Reservierungen zurückgezogen werden
Es kommt nicht selten vor, dass Interessenten einen Welpen über mehrere Wochen hinweg reservieren und sich dann – teils kurzfristig – gegen die Übernahme entscheiden.
Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von veränderten Lebensumständen bis hin zu einer nachträglichen Erkenntnis, dass die Verantwortung unterschätzt wurde.
Für den Welpen bedeutet dies keinen Nachteil.
Für den Züchter jedoch bedeutet es, dass der Vermittlungsprozess erneut beginnt:
- neue Gespräche
- neue Abwägungen
- erneute sorgfältige Auswahl
Ein Welpe, der nach einer solchen Absage wieder verfügbar wird, ist daher nicht „übrig geblieben“, sondern schlicht erneut in der Vermittlung.
Verantwortung geht in beide Richtungen
Die Entscheidung für einen Hund ist eine langfristige Verantwortung.
Ein verantwortungsvoller Züchter nimmt sich die Zeit, diese Entscheidung gemeinsam mit den Interessenten zu prüfen. Gleichzeitig zeigt sich im Verlauf immer wieder, dass nicht jede anfängliche Zusage auch von der notwendigen Verbindlichkeit getragen wird.
Ein späterer Auszug eines Welpen kann daher ebenso Ausdruck davon sein, dass:
- Entscheidungen bewusst noch einmal überdacht wurden
- Verantwortung ernst genommen wurde – auch durch einen Rückzug
- der Züchter nicht auf eine Vermittlung um jeden Preis setzt
Betreuung und Entwicklung während der Wartezeit
Welpen, die länger bei uns bleiben, sind weiterhin:
- vollständig in den Alltag integriert
- altersgerecht sozialisiert
- gesundheitlich betreut
- mental und körperlich gefördert
Sie erhalten keine geringere, sondern häufig eine noch intensivere Begleitung, da ihre Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachtet wird.
Kein Rückschluss auf den Welpen
Die Dauer der Vermittlung erlaubt keinen Rückschluss auf:
- Gesundheit
- Wesensfestigkeit
- Lernfähigkeit
- spätere Alltagstauglichkeit
Ein längerer Verbleib beim Züchter sagt nichts über den Welpen aus –
aber viel über den Anspruch, nicht schnell, sondern passend zu vermitteln.
Verantwortung statt Geschwindigkeit
Unser Ziel ist es nicht, Welpen möglichst früh oder möglichst schnell abzugeben.
Unser Ziel ist es, stabile, tragfähige und langfristige Mensch-Hund-Beziehungen zu ermöglichen.
Manche Wege sind kurz.
Andere brauchen Zeit.
Beides ist normal – und beides ist Teil verantwortungsvoller Zucht.
Zusammenfassung
Ein Welpe, der länger beim Züchter bleibt oder erneut vermittelt wird, ist:
- nicht „übrig“
- nicht „problematisch“
- nicht „weniger wert“
Er ist einfach noch nicht am Ziel angekommen.
Zeit ist in der Zucht kein Makel,
sondern ein Zeichen von Verantwortung.